Segelschule Grosse Freiheit: Anfahrt
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Artikel und Berichte

Berichte von Törnteilnehmern

Straße von Lombok_260_900Reisebericht von Bernd Gutterer

Nach drei Monaten „Große Freiheit“ schon Sidney-Hobart! Nein, ganz so schnell geht es nun doch nicht. Aber die Alcheringa, ein fünfzig Fuß Schiff hat in den siebziger Jahren an dem ultimativen Rennen sieben Mal teilgenommen. Nachdem es danach von einer nomadisierenden Familie gekauft wurde, die mit ihr über fünfzehn Jahre hinweg über die Weltmeere segelte (Neufundland, Brasilien, etc.) und nachdem der Nachbesitzer, ein australischer Professor auf ihr vereinsamte und eines allzu frühen Todes starb, lag sie Monate herrenlos vor Lombok in Indonesien vor Anker. Dort fand sie mein Kollege Frank Fladerer (lebt in Indonesien), kaufte sie und brachte sie zu altem Glanz.

Ich selbst habe im Sommer 2004 mit dem Sportbootführerschein Binnen angefangen (von der Crew der Alcheringa als Sonntagsführerschein verspottet). Zwar bin ich mit der Theorie und Praxis noch nicht allzu weit gekommen, aber im Dezember haben wir das Erlernte zwischen Bali und Lombok (und zurück) erst einmal in die Tat umgesetzt.

Die Street of Lombok wurde so z.B. durchsegelt. Diese gilt besonders bei Vollmond wegen ihrer Strömungen (Ausgleich zwischen Indischem Ozean und Pazifik) als anspruchsvoll. Nachdem sich aber ein Sturmtief, das einige Tage zuvor für einigen Wirbel gesorgt hatte, sich auflöste, konnten wir doch gemütlich durch die Street schippern. Windstärke bis zu 4.

Die Nacht zuvor waren wir Bali entlang gesegelt. Bei Sonnenaufgang tauchte dann die berühmte Vulkankette steuerbord auf. Dank eines ausdauernden mp3-players und eiskaltem Bier war das dann so erhebend, wie es auf dem Foto auch aussieht.

Der Wind kam dann auch bald von achtern. Den Kapitän erfasste der Ehrgeiz. Die Mannschaft wurde gerufen und der Spinnaker gesetzt. Das sah dann in allem alles schon etwas imposanter aus als auf dem Wannsee. Zudem wir auch (so schön kitschig wie man sich das eben vorstellt) mit den Früchten des Meeres versorgt wurden. Hier gibt es Tintenfisch. Ansonsten wurde Thunfisch geangelt, der dann gleich zu Sushi verarbeitet wurde.

Interessant war aber die Erfahrung, dass so ein großes Schiff doch viel träger reagiert als unsere Jollen auf den Berliner Binnengewässern. Klar wurde auch, dass es schon etwas an sich hat, genau das im Kleinen zu üben, was dann später hilft die Weltmeere zu erobern. Also zurück auf die Schulbank.

Für alle, die es interessiert: Informationen zur Alcheringa können unter www.alcheringa.de abgerufen werden.

Bernd Gutterer

MARE Zeitschrift der Meere (No 20/2000)

In seinem Artikel “Sport für den Lord” in der Zeitschrift MARE beschreibt Autor Olaf Kanter Traditionen und Absonderlichkeiten britischer Segelclubs. Hier ein Auszug, dem leider die hervorragend passenden Fotos von Axel Martens fehlen:

“… Cork ist zwar die Geburtsstätte des Yachtsports, aber ein Mekka der Segler ist es nie geworden. Der Royal Cork hat sich verändert, weil es die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen so wollten. Keine idealen Voraussetzungen für einen Wallfahrtsort. Denn in Mekka bewegt sich nichts – bis auf die Pilger. Die kleine Hafenstadt Cowes auf der Isle of Wight ist so ein Ort unverrückbarer Prinzipien. Sie ist seit 185 Jahren Sitz der Royal Yacht Squadron und das Pilgerziel für alle ernsthaften Regattasegler. Die Wettfahrten der “Cowes Week” bringen sie jedes Jahr im August zu Tausenden auf die Insel im Süden Englands.

Anders als der Royal Cork hat sich die Royal Yacht Squadron – übersetzt: das Königliche Yacht-Geschwader – auch im wahren Sinn des Worts nie bewegen müssen: Die Segler residieren noch immer in der Festung, die sie 1858 bezogen haben. Von außen ist bis heute nicht zu erkennen, dass die Burgherren auch nur entfernt etwas mit dem Segeln zu tun haben. Ein Hafen ist nicht in Sicht, keine einzige Yacht. Und erst recht nicht die Extras, die heute zu jedem Segelverein gehören: Grillplatz und Sandkasten, Mastkran und Jollen für Segelanfänger. Dieser Club ist garantiert nicht familientauglich. Mit Absicht.

Er hat 400 Mitglieder, und mehr sollen es nicht werden. Neufaufnahmen gibt es nur, wenn jemand aus den Reihen des Segelgeschwaders gestorben ist. Die Nachrücker müssen von Clubmitgliedern vorgeschlagen werden, und selbst das ist keine Erfolgsgarantie. Auch prominente Bewerber wie der legendäre Eisenbahn-Ingenieur Robert Stevenson sind in der geheimen Abstimmung gescheitert.

… Das Engagement, das der Verein nach außen zeigt und seine Werbung in Sachen moderner Segelsport, stehen allerdings in krassem Gegensatz zum Innenleben der Festung: Maldwin Drummonds (Anm.: der Historker der RYS) erste Station auf der Tour durchs Clubhaus ist ein düsterer Saal – der Gentlemen´s Dining Room. Das Mobiliar ist komplett aus dunklem Holz gefertigt, und die Gemälde der ehemaligen Kommodores, der Vorsitzenden des Geschwaders, zeigen ernste bis finstere Mienen. Lord Yarborough regierte zuerst, gefolgt vom Marquis of Donegal und dem Earl of Wilton. Klangvolle Namen. Seit König William 1837 in den Verein eintrat, gehört auch die königliche Familie zu den Mitgleidern. Höchster Repräsentant – Admiral – des Clubs ist derzeit Prinz Philipp, der Gemahl der Königin. Bessere Beziehungen kann ein Sportverein nicht haben…”

Olaf Kanter

Auszug aus der Neubearbeitung von Willy Jacob, 1922

“Man stelle den Reiseplan nach guten Karten möglichst früh und gründlich zusammen. Ist ja dies schon an und für sich ein Vergnügen. Man sei sehr vorsichtig in der Auswahl der Mitreisenden. Die Zahl 3 ist, wie schon einmal angedeutet, die beste! Der Eigner oder ein von ihm bestimmtes Mitglied übernimmt das Kommando. Sonst ist Ablösung nach Stunden, beim Treideln nach Minuten, zu vereinbaren.

Auf vielen Reisen bewährt hat sich folgende Tageseinteilung: Mit der Sonne aufstehen. Kaffee aufsetzen. Gründliche Reinigung des Bootes (sehr wichtig!). Dann Bad und Toilette. Setzen der Segel. Frühstück während der Fahrt. Stets unmittelbar nach der Mahlzeit Reinigen der Gefäße, wovon der Mann am Steuer befreit ist. Um 9 Uhr kaltes Frühstück. Um 12 oder 1 Uhr Mittag, das immer derjenige kocht, der zugleich alle Materialien verwaltet, daher auch schon vor der Reise mit der Beschaffung beauftragt wurde. Diese Kleinigkeiten sind sehr wichtig, da die Gemütlichkeit der ganzen Reise gestört ist, sobald Unordnung oder Zweifel herrschen. Der Dritte Mann achtet auf die Beseglung und hat das ganze laufende Gut zu überwachen. Bei Fahrten auf Binnengewässern eine bezahlte Hand mitnehmen, hieße der ganzen Reise die ihr eigene Poesie und jeden Reiz rauben.

Nachmittags etwa 3 Uhr gibt es Kaffee, um 7 Uhr Abendbrot, um 10 Uhr geht es vor Anker und zur Ruhe, wenn nicht gerade eine sehr günstige Brise zum Weitersegeln in die Nacht hinein einladet.

Man lege sich zur Nacht, wenn es geht, fern von bewohnten Orten vor Anker, schon wegen des Badens und der Morgentoilette, womöglich in eine stille Bucht, damit etwa aufkommender Wind nicht stört. Diese stillen Nächte, in denen man nur das Plätschern des Wassers, das leise Glucksen der Wasservögel hört, sind allein schon wert, solche Reisen zu machen! Sind aber Mücken da, so gehe man schleunigst Anker auf und lasse ihn weiter drin im See fallen, dann wird man von den Plagegeistern befreit sein.

Ist bei Tage das Wetter sehr regnerisch, so gehe man vor Anker und amüsiere sich in der nun doppelt gemütlichen Kajüte mit Zeichnen, Führen des Logbuches, Schach- oder Skatspielen und Garnspinnen.

Man übertreibe die Tagesleistungen nicht und sorge für Abwechslung. Am dritten Tage der Reise, an dem wegen der ungewohnten Lebensweise fast immer eine gewisse Abspannung einzutreten pflegt, mache man eine Pause, in interessanten Gegenden wohl auch einen Fußmarsch, um das Blut in Bewegung zu bringen! In der Nähe schöner Waldstreifen steige man ans Land zu einer der Mahlzeiten. Sind Angler an Bord, so füllen diese etwaige Pausen mit diesem Sport aus. Die Fischer, denen man begegnet, lassen einem gern etwas von ihrem Fange ab. Auf den belebteren Straßen begegnet man fliegenden “Zemplern”, die Brot, Bier und allerlei Lebensmittel verkaufen. Man hüte sich aber bei mangelnder Bewegung usw. vor dem Genuß des Bieres während der Reise.

Wer wochenlang Reisen macht, und nur dann kann man schöne Partien aufsuchen, kommt viel mit Berufsschiffern (an Schleusen usw.) in Berührung. Man wird mit den meist achtbaren und biederen Leuten stets trefflich auskommen, ja auch von ihnen manche Freundlichkeit erfahren. Natürlich schallt es aus dem Walde genau so heraus, wie es hineintönt.

Ein fröhliches Herz, gute Laune, frischer Wagemut, keine Scheu vor Arbeit, Strapazen und gegenseitige Rücksichtnahme sind die Haupterfordernisse für die Reise und bilden deren beste Ausrüstung.”

J.W. und Fr. Scheibert

Logbuch der “NR. 7”

Erbsen-Inseln-Törn 09. bis 16.07.2011

(Erster Teil vom 26.01.2012)

09.07./erster Tag: Dänholm/Stralsund-Barhöft

Crew´s stehen im Stau vor der Strelasundbrücke. Leichte Reizung der Nerven… Die zwei Autos (Aglaja, Frauke und Gerd; Wolfgang, jo und Daniela) gönnen sich in Stralsund unabhängig voneinander ein Fischbrötchen. An Bord im Verlauf des Nachmittags. Das ganze zieht sich hin, sodass wir die Brücke Richtung Hiddensee erst um 21.20 Uhr BZ nehmen können. Als wir vor der Brücke auf den Brückenzug warten, zieht über uns eine mächtige Gewitterfront auf. Selten so etwas schönes, aber auch bedrückendes gesehen. Der Wind springt in 30 Sekungen auf 6 Bft und es regnet. Schön zu beobachten, die Richtungsänderung von Ost auf West nach Durchzug der Front.
Als wir die Nordmole Richtung Barhöft verlassen, bricht die Wolkendecke auf. Glasklare Sicht. Irgendwo zwischen Tonne 47 und 35 in der Vierendehl-Rinne fährt Aglaja aus dem Fahrwasser – oder jedenfalls fast. Ansonsten legt sie eine souveräne Steuerleistung hin.
Barhöft wird ohne Mühe angesteuert. Ankunft ca. 23 Uhr. Alles ruhig im Hafen. Auf der Stelle drehen und als fünfter ins Päckchen. Alles entspannt bis auf Daniela, die beim Fenderraushängen fast außenbords geht…

(Fortsetzung vom 29.02.2012)

10.07./zweiter Tag: Barhöft-Bornholm/Hazle

So gegen 05.30 Uhr macht jo die Funke an. Und prompt steht der Dampfer durch einen eingehenden All-Ships-Alert Kopf. Etwas Rosanes (Aglaja ?!?) huscht kurz über Deck. bevor der ganze Hafen wach ist, stellt das jemand ab (Wolfgang ?!?). Westwind 3 Bft ist angesagt und wir beschließen, früh Richtung Bornholm auszulaufen. Gemütliches Frühstück an Deck. Ablegen ca. 08.30 Uhr, alle Mann frisch geduscht und gut gelaunt.

Zwischenbemerkung: Ölstand okay, Bordlichter okay, Batterien okay, Wassertanks voll, Bilge trocken, ein Ordner mit Betriebsanleitungen fehlt (Scheiße…).

Auf Höhe Kap Arkona nehmen wir die Segel runter und laufen unter Maschine Richtung Bornholm. Quatschen, essen, lesen, trinken, schlafen, quatschen, essen… Nach ereignisloser Überfahrt begrüßt uns Hazle gegen 23 Uhr BZ mit einem ausdauernden Feuerwerk. Ca. 30 Minuten später können wir das grüne Feuer auf der Außenmole ausmachen: Fl, g, 3s.

(Fortsetzung vom 27.03.2012)

11.07./dritter Tag: Hazle/Bornholm-ChristiansÖ/Erbseninseln

Gerd und Aglaja steuerten heute morgen gegen 01 Uhr in den Hafen von Hazle. Sportboot-Marina war knacke voll, also weiter in die anderen Becken. Kurz längseits gehen am Lotsenkai, um zu schauen, ob vielleicht noch eine Mooringleine frei ist. Fehlanzeige. Wieder losfahren und weiter Ausschau halten. Die schöne alte Sitte der Aufforderung, längseits zu kommen, in dem man die Fender auf der Seeseite raushängt, gerät in Vergessenheit. Bei ca. 30-40 Jachten taten das gerade mal drei. Und der erste im Päckchen, ein mürrischer Däne, war dann auch noch mürrisch, als wir – wirklich leise – den Gang zum Klo antraten. Auch der polnische Nachbar in der Mitte des Päckchens grummelte was von einem No-Go. Beide wollten früh raus (Es ist jetzt 10 Uhr morgens und bei beiden regt sich nichts…). Zum ersten Mal sahen wir ein Touchscreen im Kontor des Hafenmeisters. Man bekommt dort ähnlich wie beim Bankschalter gegen Kreditkarte die Kombination zum Öffnen von WC/Dusche, erhält Wetterdaten und weitere Infos. Vorteil: Egal, wann man einläuft: alle sanitären Anlagen sind sofort verfügbar. Nachteil: der Plausch mit dem Hafenmeister entfällt zukünftig. Das Hafenkontor ist in Hazle nur noch von 08 bis 08.30 Uhr und von 15 bis 15.30 Uhr geöffnet. Wo ist der in der übrigen Zeit?!? Wer sagt mir, wo der nächste Segelmacher ist, etc.? Na ja, vielleicht können wir ja Herrn Google oder den mürrischen Dänen fragen.
Heute Nacht fing es an zu regnen: Bordtoilette unter Wasser, Salonpolster nass, Herd geflutet – eben doof, wenn man doof ist und die Luken auflässt. Momentan kein Wind, nur Regen. Da prognostizierte der Wetterbericht etwas anderes: 3 – 4 Bft waren angesagt.
Ölstand kontrolliert und Kaffee gekocht. Jetzt, gegen 09.30 Uhr, wacht auch die Crew langsam auf, was bemerkenswert ist. Im Normalfall ist jo immer der letzte. Auf diesem Törn erscheint offenbar die senile Bettflucht am Horizont. Der Regen hat aufgehört. Wir frühstücken, laufen am späten Mittag aus und warten immer noch auf die 3 – 4 Bft aus West. Als wir die Nordspitze Bornholms runden und mit MgK 085° die Erbseninseln anliegen, brist es dann doch entsprechend auf. Mit im Schnitt 12 kn Wind segeln wir bei wenig Welle mit 4 kn Fahrt ChristiansÖ entgegen. Ankunft ca. 20 Uhr. Kurz vor der Hafeneinfahrt soll die Genua rein. Aufroller klemmt, also Segel komplett runter.
Schon der Anblick der Eilande im Licht der untergehenden Sonne, war umwerfend. Als wir im Südhafen sind, wähnen wir uns in Bullerbü. Postkartenidyll hoch drei. Echt jetzt mal. Alle wollen sofort einziehen und nie wieder weg. Dieser Eindruck hält während und nach dem ersten Landgang an und wir beschließen spontan, den nächsten Tag zum Hafentag zu machen. Als fünfter und letzter im Päckchen essen wir selbst gemachten griechischen Salat á la Gerd und als Hauptgang Spaghetti mit Thunfisch-Haselnuss-Sauce aus dem Hause Wolfgang und Danny Leupelt. Wir gehen vollgegessen, leicht angetrunken und zufrieden in die Kojen.

Zwischenbemerkung: Ölstand okay. Bilge trocken. Die Batterie macht schlapp. Wir brauchen morgen dringend Landstrom und hoffen auf einen Platz direkt an der Pier, also diesmal als erste im Päckchen. Andernfalls stehen einige Runden unter Motor um die Inseln auf dem Programm zwecks Laden der Batterien. Wasser fast voll. Diesel mehr als genug.

(Fortsetzung vom 26.04.2012)

12.07./vierter Tag: Hafentag auf den Erbseninseln

Hafengebühr ca. 20,- €. Ist okay. Brauchbarer Wetterbericht beim Hafenmeister. Für morgen sind östliche Winde angesagt. Da wir wieder Richtung Rügen segeln wollen: Perfekt! Gegen 07.30 Uhr beginnt sich unserer Päckchen aufzulösen. Nach einem kurzen Zwischenpark an 2. Stelle, bekommen wir den Premiumplatz zu fassen: direkt an der Kaimauer vor der Steckdose. Nach einem ausgiebigen Frühstück entwickelt wir, inspiriert von diesem wirklich wunderbaren Ort, eine neue Soap, mit Mats, dem guten Segellehrer, Svenja, seiner großen blonden Liebe und Óle, dem alten Fiesling.
Die Insel hat uns in ihren Bann geschlagen. Verwitterte Gemäuer, Kanonenrohre, uralte Treppenstufen, eiserne Laternen, verschnörkelt, hoch auf dem Leuchtturm, eine Windfahne, in der Sonne und Mond kunstvoll geschmiedet sind. Unendlich viele Details, die einen umhauen.

Zwischenbemerkung: Wetterbericht lt. Hafenbüro ChristiansÖ:
13.07., 1200 Uhr, E, 8 m/s
1800 Uhr, NE, 11 m/s
14.07. 00.00 Uhr NE, 11 m/s
08.00 Uhr, NE, 17 m/s

Gerd hat in einem Reiseführer eine Badestelle entdeckt. Badehose eingepackt. Die Crew geht baden. Alle gehen ins Wasser außer jo, der an der für Seeleute typischen Wasserscheu leidet. Danach Sonnenbaden. Spaziergang – nochmal – über die an Vegetation unglaublich reichen Felseninseln, immer begleitet vom Geschrei tausender Wasservögel und dem Flug der Möwen. Frauke bestellt für abends einen Tisch im „Keo“, dem einzigen Lokal auf der Insel. Wir gehen noch mal schwimmen – jo immerhin schon mal mit den Füßen – und dösen den Nachmittag ab. Im Restaurant, einem gemütlichen Laden, dann fünf mal Dorsch und einmal Ochse (für Aglaia). Alle würden am liebsten noch einen Tag auf ChristiansÖ dranhängen.

(Fortsetzung vom 24.05.)

13.07./fünfter Tag: ChristiansÖ-Saßnitz/Rügen

Ausgiebiges Frühstück an Deck. E-NE 6 bis 7 Bft in Boen 8 hält uns an diesem Tag 14 Stunden in Atem. Die Wellen werden im Verlauf der Überfahrt höher und erreichen schon mal die 3-Meter-Marke. Der Wind kratzt hin und wieder an der 9 (40 Knoten Windgeschwindigkeit). Die „NR. 7“ lässt das alles abperlen und geigt, nur unter stark gereffter Genua ihren Kurs Richtung Westen. Teile der Crew sind da weniger gelassen, aber bis auf einen Ausfall (Seekrankheit), ist alles wohl auf. An diesem Tag wird wieder deutlich, wie der Hunger den Wagemut und die Geschicklichkeit des homo sapiens herauskitzelt: Bei tosender See fangen Danny und Gerd gegen 22 Uhr an, Hähnchenschenkel zu marinieren. Ab damit in den Backofen, Kartoffeln kochen und gut ist. Das ganze begleitet von heftigem Regen, vermischt mit Bratenduft, sich unter Deck nur krabbelnd bewegen könnend, ob des heftigen Überholens der Jacht. Aber um 02 Uhr morgens, als wir in Saßnitz nach stürmischer Anfahrt und völlig durchnässt, anlegen, steht alles fertig auf dem Salontisch. Wir ziehen die nassen Sachen aus, machen plopp! (Flensburger) und essen uns richtig satt. An dieser Stelle ein dickes, fettes Kompliment an die beiden Köche, denn obwohl man schon einiges erlebt hat beim Segeln: Hähnchenschenkel bei 8 Bft und 3-Meter-Welle klarzumachen ist echt groovy!

(nächste Fortsetzung am 29.06.)

14.07./ sechster Tag: Saßnitz-Gager

Saßnitz wie immer: trostloser Hafen. Kein Kommentar. Der Wind hat auf West gedreht. Zwei Dinge sind bemerkenswert: Die A-Cup-Jachten vom Team Deutschland liegen direkt vor uns. High-Tech-Segelmaschinen, aber irgendwie seelenlos. Die Duschen sind nur von 07-09 Uhr geöffnet und die gesamte Crew geht ungeduscht auf die nächste Etappe Richtung Gager. Der stramme 6er erfreut den Segler bis Tn Landtief A und ab Tn Landtief-W bis in den Hafen von Gager. Bei leichten Am-Wind-Kursen zeigt die Logge knapp 9 Knoten FdW. Flott, Flott… An Gager ca. 18 Uhr. Alle gehen duschen und gleich gibt´s was anständiges zu futtern. Bier und Wein dazu, Kaffee und Schnäpschen drauf – alle ziehen am gleichen Tau.

(nächste Fortsetzung am 30.07.)

15.07./ siebter Tag: Gager-Neuhof

Wetterbericht vom Seewetterdienst Hamburg vom 15.07., 05 UTC für die nächsten 12 Std.: S-SW 5, zunehmend 6, später W-drehend, strichweise diesig, See bis 1,5 m (abgelesen am NAVTEX an Bord).
10 Uhr sind alle am Start und frisch gemacht. Frühstück ist in der Mache. Frauke sind die Ramones um diese Tageszeit zu heftig und will uns lieber mit Chat Baker, der besoffen aus einem Hotelzimmer in München mit gerade mal 50 Jahren zu Tode kam (sagt Frauke) – darüber gehen die Ansichten an Bord auseinander – einschläfern. Rechtzeitig bemerkt sie ihren Irrtum.
11 Uhr ablegen. Die Windvorhersage trifft zu und wir motoren direkt in eine ordentliche 6. Die NR. 7 schlägt z.T. hart auf die Welle. Als wir weit genug draußen sind, setzen wir Groß und Genua, alles schön klein gerefft, und segeln mit 5 bis 6 kn am Wind über den Bodden. Die Wellen erreichen ca. 0,5 bis 1 m Höhe und die Jacht segelt fast wie auf dem Wannsee. Die Crew hat Lust auf die Kreuz und jede kleine Änderung der Windstärke wird sofort mit aus- oder einreffen beantwortet. Bis auf den einsetzenden Regen kurz vor dem Einlaufen in Neuhof – kleiner Zwischenstopp um zu tanken – ein super Segeltag. Der Restaurantbesuch in Neuhof ist insoweit erwähnenswert, als das die Qualität des Essens (gut) im diametralen Gegensatz zur Qualität des Personals stand (Totalausfall). Die sanitären Anlagen in diesem privat geführten Hafen haben immer noch nicht die Gegenwart erreicht. Der Duschstrahl in der Männerdusche ist geeignet, Dir ein Loch durch die Schulter zu bohren. Wir beschließen, die Nacht über zu bleiben.

(nächste Fortsetzung am 30.08.)

16.07./ achter Tag: Neuhof-Stralund

Ablegen in Neuhof 11.30 Uhr. Nachdem wir uns noch die andere Schulter durchlöchert haben, geht´s auf die letzte kleine Etappe nach Stralsund. Die Sonne hat uns wieder, oder besser umgekehrt. Frühstück an Deck und erste Aufräumarbeiten. Es ist einiges zu tun vor der nächsten Reise. Klo überholen, Autopilot erneuern, nach der Ruderanlage sehen – alles Dinge die vor dem nächsten Törn angeleiert werden müssen. Kurz vorm Hafen Dänholm fahren wir noch ein Ankermanöver. Anker fällt gleich neben dem Fahrwasser auf ca. 9 m Wassertiefe. Wir nehmen noch einen Kaffee, plündern die Reste an Keksen und Nüssen und halten die alten Bäuche in die Sonne. Die knallt jetzt ganz ordentlich. Es ist alles irgendwie so schön beschaulich, leicht besäuselt oder so. Eine Stimmung in Richtung “gleich ist der schöne Törn vorbei, ach ja…, zu um schön war das…” macht sich breit. Bevor wir uns schniefend in den Armen hängen: 13.25 Uhr Anker auf! 14 Uhr fest in Dänholm.

Jeder Tag auf See ist ein gelebter Tag.

Ostertörn 10.-17. April 2004 |
Jungfernfahrt der Nr. 7 | Bavaria 36

10. April | Samstag

Auf der Nr. 7 sieht’s aus wie auf einem Hauptpostamt kurz vor Weihnachten: Packete soweit das Auge reicht – auf und unter Deck. Vor den Spaß hat der Herr Gott den Kaffee gesetzt. „Jo, wo ist denn der Filter?“ – „Im Supermarkt.“ Und schon teilt sich die Crew, in Shopper und Mastausrichter – den der stand ja noch ganz schief. Außerdem sah es am Vorstag so leer aus. Genua ran. Irgendwann ist auch die letzte Rettungsinsel verstaut. Raus!

Ach, nee, das Kind braucht ja noch seinen Namen. Boot zweimal längs parken – Nr. 7 steuerbords, Nr. 7 backbords am Bug. Am Heck hängt Jo mit dem Hintern fast im Wasser – so ein Eigner geht an seine Grenzen. Jetzt aber raus! Bis zur roten Tonne unter Groß. Die Dame des Hauses darf als erste Ruder gehen. Ralf parkt ein. Champagner für die Crew und – selbstredend – für Rasmus. Blumen an den Bugkorb bändseln.

In der Kombüse setzt schwäbische Betriebsamkeit ein: Martin und Ralf haben da schon ‘mal ‘was vorbereitet. Mindestens drei Kilo Maultäschle wandern aus der Kühlung in den Topf. Jürgen und der Skipper pellen Kartoffeln. Gefräßiges Schweigen bis zum Platzen. Stefan putzt noch Jos Teller leer. Zur Roten Grütze mit Vanillesoße lichten sich die Reihen. Natalie muss gleich kotzen. Jo bittet sie, das Schapp mit einem großen „K“ zu kennzeichnen, damit er es in der nächsten Woche nicht aus Versehen šffnet.

Jürgen zeigt uns Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Stefans Klampfe schweigt.

11. April | Ostersonntag

Die Jungs gehen duschen – morgens um 8 – im Frühnebel – warum? Stefan hebelt beim Versuch das Gas anzustellen fast das Boot aus den Angeln. Jetzt lugt auch Jos Kopf aus der Kajüte. Gas an – Kaffee voraus. Lila-Milka-Osterfrühstück.

SKS-Frage # 120: Was ist vor Reisebeginn beim Seeklarmachen zu überprüfen und zu beachten? Nennen Sie mindestens sechs Beispiele. Maschine an, Leinen los, Fender rein, losfahren – sonst noch was?

Motoren bis zur Hafenausfahrt, Segel raus, Kurs gen Greifswalder Bodden. Alles ziemlich relaxed – Käffchen koche, Nr. 7 läuft 6 Knoten. „Holen wir uns die 38er?“ – „Die haben ja gerefft!“

Jo und Ralf verbringen den halben Tag unter Tage „Jugend erforscht GPS“

Der Bodden. Ariadne bleibt backbord liegen. Ehemaliges Kernkraftwerk Greifswald steuerbord querab; Leuchttürme und Plattform voraus. Der Wind frischt auf; Welle baut sich auf. Jo steckt den Kopf aus den Niedergang – Einweisung der Crew in Rettungs- und Sicherungsmittel: „Weiß jeder, wo seine Rettungsweste und Lifebelt sind? Anlegen!“ Aus der Halse wird eine Q-Wende – eingepickt nehmen wir Kurs auf Freest. Groß runter, Genua reffen; Ralf geht Ruder. Tonnenpärchen suchen. Anlegen in S 41/3. Hafenmeister schnackert wegen der Klampenbelegung. „Was ist sein Problem?“ – „Lass ihn klug reden, vielleicht wird’s dann billiger.“ – „Na, dann lass’ ick mir allit erzähl’n – am Ende komm’ wa mit mehr Jeld zurück.“ Anlegerbier. Anschicksen zum Landgang und Essen fassen. Unterwegs zu lesen: „Heringe, mit ca. 1 Std. Landgang.“

Zurück an Bord: Schwäbsche Betriebsamkeit – Uhr, Barometer und Kleiderhaken werden angeschraubt. Ups – da ist die Wand dünner als die Schraube lang. Martin holt die Säge. Passt.

Stefans Hausmusik fiel auch heute aus.

12. April | Montag

Zum Frühstück gibt’s – allen Ernstes – Maultäschle – aufgebraten. Die Schwobe lasse nichts umkomme. Frau Moritz verschläft dieses Leckerli.

Ablegen um halb. Motoren bei maximal 2 Bft., spiegelglatter See und Null Sonne. Es ist sooo kalt. Fütterung der Rudergängerin um 11 Uhr UTC.

[An den Tag kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. „Wenn wir nicht wissen, wie die Dinge des Lebens zusammenhängen, so sagen wir immer: zuerst, dann, später. Der Ort im Kalender! Ein anderer wäre natürlich ein Ort in unserem Herzen.“ Max Frisch | Bin oder Die Reise nach Peking]

Zum Anlegen in Lohme bekommen wir auch wieder Sonnenbrillen-Wetter. Apfelstrudel und Kaffee im Café Niedlich. Ortsbesichtigung. Jo findet „sein“ Objekt: Segelschule mit Hotel. Wer gibt Geld? Kollektives Reinigungsritual dank Duschmarken. Nudeln mit Tomatensoße. Jo wäscht 1 1/2 Stunde mit allem Herzblut seinen Lieblingstopf und Pfanne ab. Dabei kommt er wie immer früher – heute einen Tacken später – auf das Thema „Sofortrente“.

Auch heute wird die Klampfe nur hin- und hergeräumt.

13. April | Dienstag

Der Skipper geht beim Nachbarboot „Stine“ Kaffee schnorren. Frühstück – Leinen los. Törnplanung findet draußen statt. Ystad steht im Raum. Was kšnnen wir, was sollen wir, was machen wir? 4 Knoten, 3, 2 … Hiddensee.

Martin packt seinen Sextanten aus. Nach vielen Hin und Her – Fazit Martin: „Die Sonne funktioniert noch.“ Jürgen kämpft am Kap Arkona tapfer mit 1 Knoten sog. Treibst du noch oder segelst du schon? Selbst der Spi-Segler weiter draußen macht keine erntzunehmende Fahrt. Motor an? Mit vollem Magen lassen sich Entscheidungen besser treffen. Erstmal Süppchen kochen. Die Ruhe hier draußen … Wir dümpeln weiter.

Ralf taucht auch wieder auf. Zwischenzeitlich hat er den Radar durchblickt. „Seht ihr ‘was achterlich?“ Meinst du das Fischerfähnchen, an dem wir seit einer Stunde vorbei treiben?“ Jo geht Ruder – Ralf navigiert uns fast auf den Dornbusch. An Deck – ohne Radar – sieht die Welt ja so viel bunter aus.

Es reicht: Motor an – Plattenbauten „ziehen“ an uns vorbei. Stefan möchte nicht kaufen: „Die haben ja gar keinen Balkon.“

Tonnen suchen zwischen Rügen und Hiddensee. Seeadler an Backbord. Anlegen im „Piratennest“ Lange Ort (21 Euro Hafengebühr!) Stine und Sarafina aus Lohme sind auch schon da. Übern Deich geht’s per pedes nach Vitte, vorbei am Fußballplatz des 1. FC Hiddensee. Wenn Hertha nicht aufpasst, spielen die in der nächsten Saison hier. Leider müssen wir wieder lecker Fisch essen gehen – Ralf hat vergessen Mehl für die Spätzle zu kaufen. Die Bedienung sächselt. Jo versenkt seine Zigaretten hinter der Heizung und schreit nach „Sofortrente“.

Zurück an Bord finden die Schwaben kein Ende: Ralf kocht Vanillesoße für das „Muggaseggele“ Rote Grütze. Da keine Haken zum Anschrauben übrig sind, wird tangens alpha diskutiert. [Mathematische Erklärung der Formel zur Entfernungsbestimmung mittels bekannter Hšhe eines Landobjekts] Jo hat’s verstanden und gibt sein neuerworbenes Wissen gerne in der 4. Einheit zum SKS gerne weiter …

Draußen Planetarium.

Das sechssaitige Holzinstrument schwieg sich aus.
(nicht ganz: nach meiner Erinnerung haben Martin und ich zur Melodie „über den Wolken….“, Reinhard May, „auf Nr.7 ….“zu vertexten begonnen. Wurde bisher nicht vollendet. War auch der einzige Einsatz des Instruments., Stefan)

14. April | Mittwoch

Nach langer Diskussion im Supermarkt müssen wir uns mit der tellerfertigen Roten Grütze aus der Pappschachtel zufrieden geben.

Ablegen – akute Fährtätigkeit im Fahrwasser. Motoren bis Wiek. Jo zeigt uns die „Große Freiheit – Außenstelle Wiek“. Anlegen, Kaffee trinken an der von Brüssel finanzierten Hafenpromenade, Kirche besichtigen. Ablegen.

Lappen raus – Jürgen geht ans Ruder. Wir segeln. Trimm-Meister Martin bekommt Unterstützung: Ralf ist verdächtig viel an Deck. Anscheinend hat er den letzten Knopf gefunden, der piepst, wenn man drauf drückt. Beide machen sich über Achterliek-Bändsel der Genua, Traveller und Unterliek-Strecker her.

Mit 6 Knoten schräddern wir durchs Fahrwasser gen Jasmunder Bodden. Vorbei an den Anglern, die links und rechts im Wasser Spalier stehen. Leider müssen wir abbiegen. Blinker raus – der Wind kommt von vorne, Segel rein, Motor an. 10 Tonnepärchen weiter – abbiegen auf Am-Wind-Kurs. Segel raus. Ralf geht Ruder: „Nehmen wie die Sun Odyssee auf Lee?“ Außerhalb des Fahrwassers ist es leider zu flach. Zur Demütigung geht wenigstens die Frau ans Ruder. Wir lassen „Filou“ achterlich auswandern, die o

toernberichtvon Törnteilnehmern

Hin und wieder verfassen schreibbegabte Crewmitglieder einen Törnbericht von den Reisen der “NR. 7”. Was dabei so passiert, könnt Ihr im Menü Segelreisen/Charter Törnberichte nachlesen.